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Schwedische Android-Apps

Ich habe mir ein “neues” Telefon geleistet – ein gebrauchtes HTC Hero. Das läuft mit Googles Linux-basiertem Betriebssystem Android und man kann sich wie bei Apples iPhone tausende kleiner Progrämmchen, so genannte “Apps”, herunterladen. Und nachdem ich das halbe Wochenende damit herumgespielt habe, möchte ich ein paar Schweden-spezifische Apps nicht unerwähnt lassen.

  • Öffentlicher Nahverkehr. Größere regionale Verkehrsbetriebe, darunter der Stockholmer SL, bieten Apps an, mit denen man sich Verbindungen heraussuchen oder Störungen anzeigen lassen kann. Eine andere App kennt die Nummern zum Fahrkartenkauf per SMS und erleichtert diesen.
  • Eniro. Die schwedischen “Gelben Seiten” bieten ihre “Supersearch” nach Firmen, Personen und Plätzen an und in einer zweiten App sind die Karten zugänglich – eine Alternative zu den Google Maps.
  • Noch mehr Karten: Allakartor erleichtert die Suche nach Badeplätzen, Cafés, Restaurants, Sushi, freien WLANS, Second-Hand-Läden etc. in der Nähe.
  • Nicht auf Schweden beschränkt aber auch lokal sind Layar und Google Places, die einem auch zeigen, was es in der Nähe so alles gibt. Zum Beispiel Links zum Wikipedia-Artikel einer Sehenswürdigkeit, eingeblendet über selbiger, wenn man die Kamera darauf richtet.
  • TV. Es gibt Apps mit dem Fernsehprogramm der schwedischen Sender. Über die Mobilseite von SVTPlay, dem Pendant zu den deutschen “Mediatheken”, kann man fernsehen. Das funktioniert auch ohne eigene App recht gut.
  • Tipps zu Filmen in Kino und Fernsehen, basierend auf den eigenen Bewertungen, holt man sich bei FilmTipset.se und die haben auch eine Android-App dazu.
  • Nochmal Video: Die App von Bambuser (eine schwedische Firma) erlaubt, vom Telefon aus Video live ins Internet zu “senden”.
  • Zur Sprache. Natürlich kann man sich eine schwedische Tastatur installieren, die bei der Texteingabe auch Ergänzungsvorschläge anhand eines schwedischen Wörterbuchs macht. Einen Vokalbeltrainer für Lernende scheint es ebenso zu geben, getestet habe ich ihn jedoch nicht.
  • Einkaufen. Nach Dingen suchen (oder den Strichcode einlesen) und sich bei Prisjakt sowohl die Vergleichpreise als auch die Geschäfte in der Nähe anzeigen lassen, die es haben – schöne neue Welt.
  • Der schwedische Wetterdienst SMHI hat noch keine eigene App, dafür hat die auch hierzulande sehr beliebte norwegische Seite Yr gleich zwei, die einem das Wetter sehr schick aufs Handy bringen.
  • idg, das schwedische Pendant zu heise.de, leifert seine Nachrichten in einer eigenen App aus, so dass man nicht den Browser anwerfen muss.
  • Alkohol. Wer im Sortiment des Systembolaget stöbern und Getränke bewerten und sich merken möchte; oder als Gast den Strichcode des ausgeschenkten Weines zur Preisnachfrage scannen möchte, für den ist die App von iglaset hilfreich.
  • SR, das schwedische öffentlich-rechtlichte Radio, hat eine App zum Anhören ihrer Radioprogramme und Podcasts. Auch andere schwedische Stationen findet man im Android Market.
  • Die meisten schwedischen Mobilfunknetzbetreiber haben eine App, zum Beispiel um sich den Kontostand, verbrauchtes Datenvolumen oder Rechnungen anzeigen zu lassen.
  • Zu guter letzt erlaubt einem die App der schwedischen Post, den Weg von Paketen per Handy nachzuverfolgen.

Es gibt sicherlich noch viel mehr. Ergänzungen und Vorschläge für nette Apps gerne in die Kommentare…

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Goldkäfer

Gestern Abend fand die jährliche Verleihung des Guldbagge (“Goldkäfer”) statt – des wichtigsten schwedischen Filmpreises, vergeben vom schwedischen Filminstitut.

2009 war ein sehr erfolgreiches Filmjahr für schwedische Filme und die guten Besucherzahlen haben Geld in die filmfördernden Institutionen gebracht. Verdanken ist das nicht nur, aber auch nicht zu geringen Anteilen der Millennium-Trilogie von Stieg Larsson. Deren erster Teil, Män som hatar kvinnor, hat denn auch den Goldkäfer für den besten Film eingeheimst. Zusätzlich wurde Hauptdarstellerin Noomi Rapace als beste weibliche Hauptdarstellerin ausgezeichnet.

Letzteres war keine Überraschung. Dass die Jury jedoch auch beim besten Film ganz auf die Linie des Publikums einschwenkte, anstatt einen der starken Konkurrenten wie I taket lyser stjärnor oder Flickan zu belohnen, erntete ein wenig Kritik. Als bester ausländischer Film wurde der schon viel gerühmte deutsche Film Das weiße Band ausgezeichnet, den ich hoffentlich bald zu sehen bekomme.

Heute Abend werde ich jedoch erst einmal den letzten Teil der Millennium-Trilogie im Kino anschauen: Luftslottet som sprängdes (“Das gesprengte Luftschloss”). Für den scheint der deutsche Titel und Kinostart noch nicht festzustehen, aber in zwei Wochen läuft der zweite Teil (Flickan som lekte med elden, wörtlich “Das Mädchen, das mit dem Feuer spielte”) unter dem Titel Verdammnis in Deutschland an.

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Der Hochzeitsfotograf in der Filmstadt

Am Samstag waren wir im Kino, nicht in irgendeinem, sondern im für die schwedische Filmgeschichte wichtigen Filmstaden in Solna/Råsunda im nördlichen Stockholm. Auf dem Gelände wurden von 1920 bis 1968 hunderte von Filmen gedreht und es steht heute unter Denkmalschutz. Mehr dazu weiß die Wikipedia.

Der Film, den wir sahen, war Bröllopsfotografen, zu Deutsch “Der Hochzeitsfotograf”. Es ist die Geschichte von Robin, Sohn des Vorarbeiters einer Fabrik in Värmland, in der das ganze Dorf arbeitet und die stillgelegt wird. Robin landet in der Stockholmer High Society und wird zunächst als Landei belächelt. Er lernt jedoch schnell und entwickelt sich vom einigermaßen sympathischen Underdog zum intriganten Ekel, das bei seinem ersten Heimatbesuch Streit mit seiner Familie sucht.

Der Film ist sicher kein Meilenstein, aber ich fand ihn überraschend gut. Denn neben der erwarteten Komödie, die sich an der überspitzten, doch nicht ganz falschen Bizarrheit sowohl der Land- als auch der Stadtbevölkerung ergötzt, regt Bröllopsfotografen auch zum Nachdenken an. Keine der beiden Seiten kommt gut weg und keine der Hauptfiguren ist Identifikationsfigur oder reiner Bösewicht.

Sprache spielt eine wichtige Rolle durch Gegensatz zwischen dem deutlichen Dialekt aus Värmland und Stockholm-Oberschicht-Schwedisch. Das würde beim Übersetzen verloren gehen und ich denke auch nicht, dass es für diese Art von Filmen Export-Pläne gibt.

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Bergman-Auktion

Gestern Abend wurden im wohl bekanntesten Auktionshaus Stockholms, Bukowskis, allerlei Kunst und Alltagsgegenstände versteigert, die dem vor zwei Jahren verstorbenen Regisseur Ingmar Bergman gehörten.

Das Interesse war groß und so gut wie alles erreichte ein Vielfaches des Startpreises. Der gesamte Katalog mit Bildern und Zuschlagspreisen (“klubbat pris”) ist hier zu sehen.

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Filmfrage

Welche schwedischen Filme von diesem Jahr habt Ihr denn so gesehen und wie fandet Ihr sie?

Mir fällt nämlich gerade selbst keiner ein, den ich empfehlen könnte, außer vielleicht die Verfilmung von Stieg Larssons Män som hatar kvinnor (wörlich: “Männer, die Frauen hassen”; deutscher Titel: “Verblendung”), die hier Anfang des Jahres wohl sehr erfolgreich war, aber die ich immer noch nicht gesehen habe.

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Goldkäfer

Gestern wurden die schwedischen Filmpreise vergeben, genannt guldbaggar – “Goldkäfer”. Kurzzusammenfassung ist, dass So finster die Nacht und “Die Ewigen Augenblicke der Maria Larsson” groß abgeräumt haben. Letzteren habe ich noch nicht gesehen. Radio Schweden weiß mehr.

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Auf ins Kino!

Wie schon erwähnt kann man einen der besten schwedischen Filme aus diesem Jahr, Låt den rätte komma in, unter dem Titel So finster die Nacht in deutschen Kinos sehen – und zwar ab heute.

Eine gute Gelegenheit, zwischen den Jahren ins Kino zu gehen. Um die düstere Stimmung des stockholmer Vororts Anfang der Achtziger zu erhalten, sollte man, wenn möglich, die Originalversion mit Untertiteln sehen.

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Zwei Filme

Zwei schwedische Filme, die ich in den letzten Wochen gesehen habe, dürfen nicht länger unerwähnt bleiben:

  • Det nya landet (“Das neue Land”) ist eine Fernsehserie aus dem Jahr 2000, die gekürzt auch in die Kinos kam und auf europäischen Filmfestivals einige Preise gewann. Es geht um den somalischen Teenager Massoud und den Iraner Ali, deren beider Asylanträge von den schwedischen Behörden abgelehnt wurden und die sich deshalb auf die Flucht durch Schweden machen. Schwedische Kultur und Eigenheiten werden durch die Begebenheiten auf dem Weg sowohl kritisiert als auch auf die Schippe genommen. Duchweg ist Det nya landet ein Film, bei dem die Ernsthaftigkeit der Situation dem Lachen über die komischen Szenen einen bitteren Beigeschmack gibt. Sehr sehenswert.

  • Aktuell in den Kinos ist Låt den rätte komma in (“Lass den richtigen herein”), eine Geschichte über die erste Liebe zwischen einem Jungen und einem Mädchen, das sich als Vampir entpuppt. Der wiederum sehr zu empfehlende Film scheint unter dem Titel So finster die Nacht bald in deutsche Kinos zu kommen und hat auch schon einen Wikipedia-Eintrag, der die Handlung ausführlicher beschreibt.

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27:e Uppsala Internationella Kortfilmfestival

Darüber dass Uppsala ein renommiertes Kurzfilmfestival hat, habe ich schon in den letzten beiden letzten Jahren geschrieben. Jetzt ist es wieder so weit. Ich werde für ein paar Tage einen französischen Regisseur beherbergen und habe dafür freien Eintritt die ganze Woche. Die erste der 14 (von total 96) anderthalbstündigen Sessions, für die ich mir Karten geholt habe, habe ich gestern Abend gesehen. Darin wurden Kurzfilmklassiker von den 30ern bis 80ern gezeigt. Jede Session hat 5-9 Filme und die große Mehrheit davon ist neu; schließlich nehmen die beiden Wettbewerbe (schwedisch und international) ein Großteil der Woche in den vier Kinos in Anspruch. Schwerpunkt des Festivals ist dieses Jahr “norwegischer Humor” und wie immer fällt die Auswahl aus dem fantastischen Programm schwer. Meine Freizeit bis Sonntag ist also ausgebucht.

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Patrik 1,5

Vorgestern Abend haben wir Patrik 1,5 gesehen, ein aktueller schwedischer Film von Ella Lemhagen mit Gustaf Skarsgård und Torkel Petersson in den Hauptrollen. Die beiden spielen das schwule Pärchen Göran und Sven, die vom Sozialamt grünes Licht für eine Adoption bekommen haben und gerade in eine vorstadtidyllische Straße mit Einfamilienhäusern gezogen sind.

Als das Sozialamt ihnen dann endlich den anderthalbjährigen “Patrik” anbietet, ist die Freude groß – bis sich herausstellt, dass das Komma verrutscht war und Patrik (Tom Ljungman) ein Fünfzehnjähriger mit krimineller Vorgeschichte ist. Es folgen allerlei Verwicklungen, aber natürlich geht der Film gut aus.

Besonders bemerkenswert fand ich die Darstellung des homosexuellen Paares und der Welt um sie herum. Frei von Schwulenklischees sind Göran und Sven einfach zwei liebende Menschen mit den gleichen Alltagsproblemen, die alle Paare erleben. Es ist ihre Umwelt, die bizarr herüberkommt. Von kleinen Gängeleien bis zu offener Feindseligkeit – ohne unglaubwürdig zu wirken sind es die Nachbarn, die seltsam sind, nicht das schwule Pärchen.

Abgesehen von der vielleicht zu schnellen Wandlung von Patrik zum “guten Jungen” haben wir den Film durchweg genossen und es gibt viel zu lachen. Patrik 1,5 ist bei weitem kein Genrefilm für Schwule, sondern sei jedem, der Schwedisch kann, ans Herz gelegt. Dem Credo Charmantester Film des Herbstes kann ich mich nur anschließen.

Die erfolgreicheren schwedischen Filme schaffen es ja manchmal auch in deutsche Kinos und da Patrik 1,5 hier wohl sehr gut läuft, kann man das auch für diesen Film hoffen.

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