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Freie Übersetzung


Deutsch Völker, hört die Signale!
Schwedisch Auf zum letzten Gefecht!
Die Internationale
erkämpft das Menschenrecht. Mera brännvin i glasen,
Mera glas på vårt bord,
Mera bord på kalasen,
Mer kalas på vår jord!


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Wein im Supermarkt?

Angeblich hat die Stockholmer Zentrumspartei auf ihrem Frühlingstreffen am Dienstag beschlossen, darauf hinzuarbeiten, dass Wein und Bier in Zukunft in Lebensmittelläden verkauft werden dürfen. Außerdem will man in der Regierung anregen, einen Fahrplan aufzustellen, wie man die Alkoholsteuer auf europäisches Niveau senkt. (S, S)

Dass es dazu kommt, glaub’ ich erst, wenn ich es sehe. Und ich weiß nicht einmal, ob ich es gut fände.

(mehr zum Thema Alkohol)

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Wort der Woche: Nykterist

Nykter bedeutet im Schwedischen “nüchtern”. Ein nykterist ist also ein “Nüchterner”, allerdings keiner, der nur gerade jetzt nicht trinkt, sondern überhaupt nicht. Seit knapp zweihundert Jahren gibt es in Schweden genug Menschen, die Alkohol ablehnen, dass eine einflussreiche Bewegung entstand, die nykteriströrelsen.

Schnitt.

Das dumme an der Wikipedia ist, dass das, worüber man eigentlich gerade schreiben wollte, dort oft schon ausführlich behandelt ist. Das braucht einen zwar im Prinzip nicht abzuhalten, nimmt aber doch in gewisser Weise die Motivation. Bloßes Umformulieren ist nicht so spannend.

Das schöne an der Wikipedia ist, dass das Wissen dort frei ist. Und zwar “frei” nicht nur wie in “Freibier”, sondern auch wie in “Freiheit”. Die Lizenz erlaubt nämlich die Weiterverwendung und Abänderung der Texte. Es folgt eine in erster Linie gekürzte, aber auch teilweise ergänzte Version des Wikipedia-Artikels zur Abstinenzbewegung in Schweden.

Schnitt zurück.

Die Abstinenzbewegung war eine der drei großen schwedischen Volksbewegungen während des 19. Jahrhunderts, neben der freikirchlichen und der Arbeiterbewegung. Um 1800 war der Alkoholismus ein bedeutendes Problem in Schweden. Schnaps war das vorherrschende alkoholische Getränk und Schätzungen sprechen von einem durchschnittlichen Konsum von 40 Litern pro Person und Jahr in den 1820er Jahren, dem Fünffachen des heutigen Konsums.

Die ersten Abstinenzvereine entstanden in den 1830er Jahren nach amerikanischem Vorbild. 1837 wurde Svenska Nykterhetssällskapet gebildet, deren Mitglieder sich verpflichteten, keinen Schnaps oder andere Spirituosen zu trinken. Der mäßige Konsum von Bier und Wein war erlaubt, aber diese Getränke waren eigentlich nur in der Oberschicht verbreitet. Das Hauptziel der Bewegung war, das Schnapsbrennen für den Eigenbedarf abzuschaffen, und als sie ihre Ziele in den Gesetzen 1855 erreicht hatten, starb die Bewegung. Das noch heute bestehende schwedische Alkoholmonopol und auch die hohen Steuern auf Alkohol nahmen ihren Anfang.

Während die ältere, moderate Abstinenzbewegung vor allem von Personen aus der Oberschicht getragen worden war, entstand in den 1870er Jahren eine neue, radikalere Volksbewegung, die große Teile der Bevölkerung umfasste. Es wurden Organisationen gegründet, die anfangs noch der religiösen, später mehr der Arbeiterbewegung nahe standen.

Diese Organisationen forderten völlige Enthaltsamkeit von Alkohol und arbeiteten auf ein Totalverbot hin. Auf ihrem Höhepunkt um 1910 hatten die unterschiedlichen Organisationen etwa eine halbe Million Mitglieder. Dazu müssen aber noch die freikirchlichen Erweckungsbewegungen und die Arbeiterbewegung gerechnet werden, die die Forderungen der Abstinenzbewegung unterstützten. In einer Unterschriftenaktion 1909 befürworteten 56% der erwachsenen Bevölkerung ein Totalverbot von Alkohol, in der Volksabstimmung von 1922 sprachen sich aber nur 49% für das Verbot aus und Alkohol blieb weiterhin legal.

Die Repräsentation der Abstinenzbewegung in der Politik war bis weit ins 20. Jahrhundert stark, vor allem bei den Liberalen und Sozialdemokraten. 1918 gehörten 64% aller Abgeordneten in der zweiten, volksgewählten Parlamentskammer einer Abstinenzorganisation an und noch 1950 war eine Mehrheit im schwedischen Parlament nykterister.

Heute haben die unterschiedlichen Organisationen noch mehr als 250.000 Mitglieder und sind von ihrer Verbotsforderung abgerückt. Stattdessen setzen sie auf Informations- und Aufklärungskampagnen. In der Öffentlichkeit spielt die Bewegung heute nur noch eine untergeordnete Rolle. Es ist jedoch keine Seltenheit, im heutigen Schweden Menschen zu begegnen, die Alkohol ablehnen.

Entsprechend der Lizenz des Wikipedia-Artikels steht dieser Text ebenfalls unter der GFDL, zusätzlich zur üblichen Creative Commons BY-NC-SA.

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Das Alkoholklischee

Schweden und der Alkohol. Man kann darüber mehr schreiben, als ich zu Beginn dieses Blogs gedacht hätte. Zum Beispiel kann ein Text wie dieser nicht unkommentiert bleiben.

Schweden habe ein Alkoholproblem, ist der Tenor. Das kann man so sehen, aber dann haben alle europäischen Länder auch eines. Und Deutschland ein doppelt so großes wie Schweden. Denn der Alkoholkonsum pro Kopf ist in Deutschland doppelt so hoch und damit auch die alkoholbedingten Krankheiten.

Außerdem wird Alkoholismus meiner Meinung nach in Schweden besser thematisiert als in Deutschland, im Gegensatz zu was Burkhard in seinem klischeegespickten Artikel schreibt.

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Korruption beim Systembolaget?

Es ist ja auch zu verlockend für die Alkohollieferanten. Wegen des schwedischen Staatsmonopols darf Alkohol nur in den eigenen Läden, Systembolaget genannt, verkauft werden. Und was es dort nicht gibt, macht in Schweden auch keinen Absatz.

Außerdem muss ja irgendwer entscheiden, was ins Sortiment kommt und was nicht. Dass hier zum Beispiel die Weinlieferanten ihre Produkte gegenüber der Konkurrenz hervorheben wollen, ist verständlich und ein gutes Mittel zur “Hervorhebung” ist eben Bestechung. Nun ist Korruption in Schweden natürlich verboten und im Allgemeinen auch kein größeres Problem als anderswo, aber von Verdachtsfällen beim Systembolaget hört man immer wieder.

Ein neuer Fall beschäftigt gerade die schwedischen Medien. Eine Einkaufsleiterin des Systembolaget kündigte und wechselte zu einem Weinlieferanten, dessen Sortiment sie erst zwei Monate vorher ins Sortiment der staatlichen Geschäfte aufgenommen hatte.

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Interview zur Alkoholpolitik

An der Alkoholpolitik in Schweden wird sich wohl trotz des gestrigen Vorschlags so schnell nichts ändern, denn dem Systembolaget geht es gut. Auch Radio Schweden befasst sich mit dem Thema und hat dort auch ein hörenswertes kurzes Interview auf Deutsch zur schwedischen Alkoholpolitik und dem Einfluss der EU in diesem Bereich.

Lustig, wie der Interviewte auf schwedische Art “EÜ” anstatt “EU” sagt, obwohl er ansonsten akzentfrei spricht.

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Reform der Alkoholsteuer

Ein Drittel des in Schweden getrunkenen Bieres wurde ins Land geschmuggelt, sagen Schätzungen. Um dem entgegenzusteuern, diskutiert die schwedische Regierung gerade einen Vorschlag (S), die Steuern auf Bier und Wein zu senken und dafür die auf starke Alkoholika zu erhöhen. Die Chancen für eine zustimmende Mehrheit scheinen nicht schlecht zu sein.

Aus rein egoistischen Gründen fände ich das natürlich gut, schließlich trinke ich sehr selten Alkohol in anderer Form als Bier oder Wein. Andererseits frage ich mich, ob Schweden damit nicht einen weiteren Schritt in Richtung “kontinentaler” Trinkgewohnheiten geht und als Resultat an mehr Tagen der Woche Alkohol getrunken wird.

Nachtrag, 20:00: Der Chef will nicht (S) und der Vorschlag scheint schon wieder vom Tisch zu sein.

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Worte der Woche: Fyra eller Sexa?

Dass Schweden es sehr genau nimmt mit dem Alkohol, ist nicht neu (siehe z.B. hier oder hier). Das Alkoholgesetz umfasst zwölf Kapitel auf vierzehn Seiten mit jeweils mehreren Paragraphen.

Diese Mentalität führt dazu, dass auch beim Alkoholausschank alles mit rechten Dingen zugeht. Wenn man an einer Bar, sei es in einer Studentennation oder einer “zivilen”, sich einen Drink aus der Liste ausgesucht hat und seinen Wunsch dem Barkeeper mitteilt, stellt einem dieser standardmäßig die Frage

Fyra eller sexa?

was soviel bedeutet wie

Einen Vierer oder einen Sechser?

Dabei handelt es sich um eine Volumenangabe, nämlich vier beziehungsweise sechs Centiliter. Diese bezieht sich nicht auf die Größe des Glases oder wie weit es gefüllt wird, sondern darauf, wie groß der Anteil der stark-alkoholischen Zutaten am Gesamtvolumen ist. Um nicht zu viel des teuren Nasses einzuschenken, aber auch damit der Kunde sieht, dass er auch das bekommt, wofür er bezahlt, wird in der Regel ein Messbecher verwendet.

Ein sexa ist also ein stärkerer Drink als ein fyra, weil er das anderthalbfache an Alkohol ins Glas bekommt, bevor mit Saft oder Ähnlichem aufgefüllt wird. Der Preis ist selbstverständlich auch ein anderer für die beiden Varianten des Getränks und es ist üblich, dass auf der Cocktailliste gleich beide Preise für einen Vierer und einen Sechser angegeben sind.

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Schweden, Europa und der Alkohol

In den letzten Wochen passierte einiges auf EU-Ebene, was Alkohol und dessen Konsum betrifft. Noch im Oktober legte die EU-Kommission eine gemeinsame Strategie vor, die gesundheitsschädlichen Alkoholkonsum einschränken helfen soll. Nicht zuletzt wegen heftigen Widerstands der Lobbyisten, kam am Ende ein recht zahnloses Dokument heraus.

Warnhinweise auf Flaschen, in Analogie zu Zigaretten, wird es beispielsweise nicht geben. Und über die wenigen anderen vorgeschlagenen Maßnahmen kann man in Schweden nur lächeln, weil hier die restriktiven Alkoholgesetze schon heute darüber hinausgehen. Trotzdem erkennt man an, dass die Diskussion in Europa in Gang kommt.

Letzte Woche kam dann die Entscheidung des europäischen Gerichtshofes, dass man sehr wohl die Steuer des Einfuhrlandes zahlen muss, wenn man Alkohol zum eigenen Gebrauch im Ausland kauft, jedoch nicht persönlich einführt. Das bedeutet, dass Schweden die hohe Alkoholsteuer des eigenen Landes nicht umgehen können, indem sie ihre Getränke übers Internet bestellen. Eine gegensätzliche Entscheidung hätte die nationalen Regulierungsmöglichkeiten noch weiter ausgehöhlt, als sie es die EU-weit hohen privaten Einfuhrquoten schon tun. Das Urteil wurde deshalb von Schweden freudig aufgenommen (S).

Gleichzeitig kam die Meldung, dass sich die Anzahl der Pubs und Restaurants mit Lizenz zum Alkoholausschank in Schweden in den letzten dreißig Jahren auf 10.000 vervierfacht hat (S). Das wird eher auf Erleichterungen bei der Lizenzvergabe und eine verstärkte Ausgehkultur zurückgeführt als auf gestiegenen Konsum. Dieser ist nämlich relativ konstant und liegt entgegen dem Klischee mit 5,6 Liter (E) reinen Alkohols pro Kopf und Jahr bei etwa der Hälfte des deutschen Verbrauchs. Ernsthafte Leberschäden und alkoholbedingte Verkehrsunfälle sind in Deutschland sogar dreimal häufiger als in Schweden.

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Mehr Alkohol

Klischeehafter, als über Schweden und Alkohol zu schreiben, geht es zwar kaum, aber trotzdem: Im ersten Halbjahr 2006 wurde vom staatlichen Monopolisten Systembolaget 6% mehr Alkohol (in Menge reinen Alkohols gerechnet) verkauft (S) als in den ersten sechs Monaten 2005.

Das wird nicht nur auf die zur Zeit starke schwedische Wirtschaft (über 5% Wachstum (E)) und die damit höhere Kaufkraft zurückgeführt, sondern auch, dass angeblich weniger Schweden ins Ausland fahren, um dort Alkohol einzukaufen. Ich glaube aber nicht, dass die Kette des Alkoholfremdeinkaufs zum erliegen kommt: Norweger kaufen in Schweden, die in Dänemark oder Deutschland, von wo aus man wiederum nach Tschechien oder Polen fährt, um billig einzukaufen. Ein Hoch auf ein offenes Europa! :-)

Ein vom bisherigen Text völlig unabhängiges Detail, das in Schweden auch schon für eine Menge Gesprächsstoff gesorgt hat, ist übrigens, dass die Chefin des Systembolaget, Anita Steen, die Frau von Premierminister Göran Persson ist.

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