Wort der Woche: Rondellhund

Rondell bezeichnet im Schwedischen einen Kreisverkehr und ein hund ist, nun ja, ein Hund eben. Gibt es in Schweden Hunde im Kreisverkehr? Ja, in der Tat, aber der Reihe nach.

Alles fing damit an, dass die Künstlerin Stina Opitz im Auftrag der Stadt Linköping eine Skulptur in der Mitte eines dortigen Verkehrskreisels aufstellte. Ein Teil dieser Skulptur war ein Hund aus Beton. Der fand leider nicht das Wohlwollen aller Bürger und wurde im Frühherbst Opfer von Vandalismus, wobei er seinen Kopf einbüßte. Der Hund wurde abgebaut und die Künstlerin erhielt den Auftrag, eine stabilere Version aus Metall herzustellen.

Ein Rondellhund, Bildquelle:
http://sv.wikipedia.org/wiki/Bild:Rondellhund3.JPG In der Zwischenzeit jedoch bastelte jemand aus Sperrholz einen Hund, malte ihn bunt an und stellte ihn auf die verwaiste Stelle, angeblich als Protest dagegen, dass Künstler teuer für etwas bezahlt werden, das offensichtlich jeder kann. Die Lokalpresse berichtete und Nachahmer fanden sich schnell. Deshalb tauchten Hunde in verschiedensten Variationen, Farben oder Gruppen bald nicht nur in den Kreiseln von Linköping auf, sondern in ganz Östergötland.

Zu Anfang argumentierte man noch, dass die Hunde die Sicht im Kreisverkehr behindern und vom Verkehrsgeschehen ablenken würden, und sammelte viele der Hunde ein. Doch die überwiegend positiven Reaktionen der Menschen auf die Laienkunstwerke haben sicherlich dazu beigetragen, dass sie mittlerweile stehengelassen werden und auch schwedenweit erlaubt (S) sind.

Und ihre Verbreitung wächst weiterhin rapide, wozu die landesweite Presse (S,E) sicherlich viel beiträgt. Rondellhunde gibt es inzwischen von Malmö bis in den hohen Norden und natürlich im Internet (S). Auch hier in Uppsala vermehren (S) sie sich seit wenigen Wochen.

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Rund

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Bork Bork Bork!

Ich war nie großer Fan der Muppet Show. Sicher, die Hauptfiguren sind mir bekannt und ich habe auch schon über Statler und Waldorf gelacht – der dänische Koch ist mir jedoch nicht in Erinnerung.

Im englischen Original war (ist?) der Koch laut Wikipedia kein Däne, sondern Schwede, und fällt vor allem durch seinen übertriebenen Akzent auf. Jemand, der diese Art zu sprechen wohl lustiger fand als die meisten anderen, hat die Erweiterung Bork Bork Bork! für Firefox geschrieben, die den Text beliebiger Webseiten so abändert, dass sie sich lesen, wie sie der Koch aussprechen würde.

Ein Absatz aus dem vorigen Beitrag liest sich dann beispielsweise so:

Sunnengetrucknetee Ilchmeest zoo ferkooffee ist eetveder bescheooert ooder geneeel – je-a nechdem, oob mun is schefffft, genoog Koondee für deeese-a "ieenzigertige-a Hunderbeeetâ€? zoo feendee, deee-a bereeet seend, 60 Iooru für ieen ieenzelnes A4-Blett ooszoogebee.

Witzig? Sicherlich eher auf Englisch und vor allem für Fans der Muppets. Sinnlos? Allerdings! Aber es entbehrt nicht eines gewissen Charmes, dass Leute für solche Dinge Zeit aufwenden. Außerdem erinnert es mich an den Schwobifier.

(via)

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Ein Blatt Elchmist, bitte!

Ja, aus Zellulose macht man Papier. Ja, Elche essen viel Zellulose. Muss man von diesen beiden Tatsachen ausgehend auf die Idee kommen, Papier aus Elchdung zu machen? Sicherlich nicht notwendigerweise, aber jemand tut genau das.

Sonnengetrockneten Elchmist zu verkaufen ist entweder bescheuert oder genial – je nachdem, ob man es schafft, genug Kunden für diese “einzigartige Handarbeit” zu finden, die bereit sind, 60 Euro für ein einzelnes A4-Blatt auszugeben.

Aus der Webseite des Herstellers:

Das Papier ist hellbraun und hat einen schwachen Waldgeruch. Es ist schön strukturiert und enthält sichtbare Holz- und Rindenfragmente.

(gefunden via okej)

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Axt im Walde: Lidl in Uppsala

Der deutsche Lebensmitteldiscounter Lidl macht sich auch in Schweden breit. Keinen Kilometer von meiner Wohnung gibt es eine Filiale und in einem anderen Stadtteil wird eine weitere gebaut. Ganz unabhängig von den vielen Gründen, dort nicht einzukaufen, sind die Leute von Uppsala gerade darüber erbost, dass Lidl sich nicht auf die gekaufte Fläche beschränkt, sondern gleich noch angrenzende Grünflächen platt macht. So geschehen bei dem Markt in meiner Nähe und jetzt wieder (S) bei dem erwähnten Neubau. Es handelte sich um von der Gemeinde bewusst nicht verkaufte Flächen (S), die als Abgrenzung erhalten werden sollten.

Ich kenne die örtliche Beschaffenheit zwar nicht, aber die Vermutung liegt nahe, dass Lidl mehr Wert darauf legt, gesehen zu werden, als sich an Regeln zu halten. Die Gemeinde will zuerst mit Lidl über eine Kompensation verhandeln, eine Anzeige wird jedoch nicht ausgeschlossen.

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Wem Schweden vertrauen

Es scheint die Woche der Statistiken zu sein. Gestern kam zusätzlich die Meldung, dass man untersucht hat, in welchem Maße die Schweden Organisationen und Firmen vertrauen. IKEA schlägt dabei die Kirche und die Politik schneidet noch schlechter ab.

Ich spare mir jetzt weitere Worte, denn Tagensschau.de, Spiegel Online und der Schwedische Rundfunk fanden das schon interessant genug, darüber zu berichten.

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Schweden beste Demokratie der Welt

Erst vorgestern habe ich mit Zahlen zu Deutschland und Schweden um mich geworfen. Heute las (E) ich von einer Studie der “Economist Intelligence Unit”, die einen Demokratieindex erstellt, der hier nicht unerwähnt bleiben kann. Denn Schweden ist nach eben diesem das demokratischste Land der Welt mit 9,88 auf einer Skala von 0 bis 10.

Deutschland liegt mit 8,82 auf Platz 13. Im Detail:

Schweden Deutschland
Wahlprozedere und Pluralismus 10,0 9,58
Funktionieren der Regierung 10,0 8,57
Politische Beteiligung 10,0 7,78
Politische Kultur 9,38 8.75
Bürgerrechte 10,0 9.41
Gesamt 9,88 8,82

Die ganze Tabelle gibt es hier (E, pdf).

Nun denn, Leute in Deutschland, beteiligt euch, seid politisch kulturell und sorgt dafür, dass die Demokratie besser funktioniert! ;)

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Mordwaffe von Olof Palme gefunden?

Olof Palme war 1969-76 und 1982-86 schwedischer Premierminister. Er wurde am 28. Februar 1986 nach einem Kinobesuch in Stockholm erschossen. Ein Verdächtiger, der zunächst verurteilt, später jedoch wieder freigesprochen wurde, ist mittlerweile verstorben. Der Mord ist bis heute nicht aufgeklärt und beschäftigt immer wieder die schwedische Öffentlichkeit. Die Arbeit der entsprechenden Sonderkommission der Polizei dauert an.

Gerade überflutet die Nachricht die schwedischen Medien, dass gestern ein Taucher in einem See in Dalarna die Mordwaffe gefunden haben könnte (S, S, E).

Mehr zu Olof Palme und dem Attentat steht in der Wikipedia.

Nachtrag 22.11.: Morde verjähren in Schweden nach bisherigem Recht nach 25 Jahren, im Fall Palme also 2011. Heute kam jedoch die Meldung (S), dass im neuen Jahr eine Gesetzesänderung angestrebt werden soll, die diese Frist abschafft und Morde damit nicht mehr verjähren lässt.

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Die Ostseepipeline

Ein deutsch-russisches Konsortium, in das auch Gerhard Schröder eingebunden ist, will eine Gaspipeline durch die Ostsee legen, um den Zugang Deutschlands und Westeuropas zu russischem Erdgas zu sichern und auszubauen. Verträge zwischen Gazprom auf russischer und E.ON und BASF auf deutscher Seite wurden 2005 unterzeichnet und noch im gleichen Jahr fing der Bau auf der russischen Landseite an. Der Verlauf soll folgendermaßen aussehen:
Verlauf der Pipeline und Hoheitsgebiete der Ostseeanrainer. Bild:
Nord Stream,
http://www.nord-stream.ru/eng/press/gallery/
Verlauf der Pipeline (blau), die Hoheitsgebiete der Ostseeanrainerstaaten (grün) und die jeweiligen wirtschaftlichen Einflusszonen (rot). (Bild: Nord Stream)

Schweden hat sich bisher sehr bedeckt gehalten mit seiner Einstellung zur Pipeline. Das hat nicht nur interne Kritik (S) hervorgerufen, sondern auch andere Ostseeanrainerstaaten (v.a. Polen und die baltischen Länder) verärgert, die das Projekt ablehnen.

Auch wenn der Verlauf schwedische Hoheitsgewässer nicht betrifft, so ist man vor allem über zwei Punkte besorgt. Zum einen ist da die schon heute kritische Umweltsituation der Ostsee. Durch den Bau würden neue Belastungen auftreten, nicht zuletzt dadurch, dass auf dem Grund der Ostsee viel chemischer und anderer Müll aus zwei Weltkriegen liegt, dessen Inhalt freigesetzt werden könnte.

Zum anderen ist eine Wartungsplattform nahe der schwedischen Ostseeinsel Gotland geplant. Deren Höhe wurde zwar schon von 70 auf 35 Meter reduziert, so dass sie nicht von der beliebten Urlaubsinsel zu sehen sein wird, aber es gibt weiterhin Sicherheitsbedenken dahingehend, dass die Plattform zur direkten Spionage benutzt werden könnte und dass sie für verstärkte Präsenz russischer Kriegsschiffe in der schwedischen Einflusszone sorgen wird.

Letzte Woche wurde endlich der Konkrete Bauvorschlag vorgelegt (S) und somit ist der Einwand der Regierung, dass man erst bei genauer Kenntnis Stellung beziehen wolle, hinfällig geworden. Die Diskussion ist in vollem Gange und schwedische Organisationen haben bis Februar Zeit, Einwände vorzubringen.

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