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Kurzmeldungen

Ein paar Einzeiler mit schwedischen Nachrichten aus den letzten Tagen:

  • Internetanbieter können in Zukunft gerichtlich dazu gezwungen werden, IP-Adressen herauszugeben, die zum unerlaubten Herunterladen von Musik- und Filmmaterial aus dem Internet benutzt worden sind. Link
  • Es gibt kaum deutsche Titel auf dem schwedischen Buchmarkt. Link
  • Heute Nacht hat es in weiten Teilen Südschwedens noch einmal kräftig geschneit und es entstanden dementsprechende Verkehrsprobleme. Angeblich soll auch Uppsala heute noch einmal weiß werden. Link
  • Schweden soll hauptverantwortlich sein für die Ausformung der zukünftigen Strategie der europäischen Union im Bereich Arbeit und Entwicklung. Link
  • Potenzmittel wie Viagra dürfen nicht von der Krankenkasse subventioniert werden, dafür gibt es bald Sexspielzeug in der Apotheke. Link1 Link2

  • Schweden will bei der internationalen Entwicklung des Grid-Computing führend mitspielen und zusätzliche Forschungsgelder für das “Superwebb” bereitstellen. Link

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Bokrea 2008

Heute Nacht war es wieder einmal soweit, die Bokrea begann. Zum Auftakt von 0:00 bis 1:30 habe ich zwar geschlafen, aber zur Fortsetzung ab 7:00 heute morgen habe ich vorbeigeschaut.

Der Katalog ist online (Vorsicht: Flash!) und darin findet man allerlei erstaunliches, sei es der letzte Harry Potter (gebunden) für 99 Kronen, eine Serie “Schwedens Geschichte” (9 gebundene Wälzer) für 690, dicke Nachschlagewerke von Kunst über Film und Musik bis zu Wörterbüchern, Hörbücher und natürlich jede Menge Literatur, inklusive Nobelpreisträgern, wiederum schicke gebundene Ausgaben für umgerechnet 7-8 Euro.

Die Schweden nutzen dementsprechend den Bücherausverkauf eifrig und vielleicht trägt die Bokrea ja auch zu einem weniger gezwungenen Umgang mit Büchern bei. Zur Erinnerung: Schweden lesen im Schnitt doppelt so viel wie Deutsche.

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Wort der Woche: Höst

Herbstweg

Höst ist das schwedische Wort für “Herbst” und dieser ist hier gerade in vollem Gange. Nicht mehr lange und die Blätter mit den kräftigen Farben sind zu Boden geweht. Dann beginnt die farblose und dunkle Hälfte des Jahres.

Unter der Dusche heute morgen fragte ich mich – noch halb schlaftrunken – woher das Wort höst eigentlich kommt, also ob es von einem anderen Wort abgeleitet ist. Das einzige, das mir spontan einfiel war das “Heu”, schwedisch . Die Verbindung Heu, Ernte, Herbst ist zwar nicht ganz abwegig, aber überzeugte mich nicht wirklich.

Ein Blick in die SAOL verrät, dass es ein Verb hösta (auch inhösta) gibt, das so viel wie “einbringen”, “einkassieren” bedeutet. Inhösta beröm ist zum Beispiel die richtige Art, auf Schwedisch “Lob einzustreichen”.

Dass der Herbst die Zeit des Einbringens ist, ist wiederum eine naheliegende Erklärung, trotzdem würde ich es gerne in einem schwedischen Herkunftswörterbuch nachschlagen. Weiß zufällig jemand, was da hierzulande das Standardwerk ist?

P.S.: Hier noch ein Ausriss aus meinem fast zwanzig Jahre alten Herkunftsduden zum Thema “Herbst”.

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Harry Potter schlechtes Geschäft

In Schweden gibt es keine Buchpreisbindung und deswegen kann zum Beispiel der jährliche Buchausverkauf stattfinden. Außerdem können sich die Buchhändler einen echten Preiskampf liefern, wenn ein Buch stark nachgefragt ist.

Der siebente und letzte Band von Harry Potter ist wohl das deutlichste Beispiel. Anstatt des empfohlenen Preises von 369 Kronen findet man – sowohl bei Vorbestellungen im Internet als auch in den Buchläden der wirklichen Welt – Preise zwischen 160 und 200 Kronen. Rechnet man die zusätzlichen Personalkosten zur Handhabung der Paletten mit Büchern und den heute Nacht stattfindenden Verkäufen ab Mitternacht mit ein, bleibt für die Buchhändler sehr wenig übrig. Die, die wirklich reich werden mit dem Buch, sind also die Autorin und ihr Verleger.

PS: Ich habe ihn gestern ausgelesen, verrate aber nichts.

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Was war?

Bevor es hier im normalen Takt weitergeht ein kurzes Update, was in Schweden so alles in den Nachrichten war während meiner Abwesenheit:

  • Die rechtsextremen Schwedendemokraten hielten ihren Parteitag in Karlskrona und parallel dazu wurde bekannt, dass jeder dritte derer Kommunalpolitiker von Sozialhilfe lebt, ein Vorwurf, den die Ausländerfeinde üblicherweise gegen Einwanderer vorbringen.
  • Die Buchbranche boomt. Das ist nicht neu, aber trotzdem erfreulich.
  • Der Verkauf von Alkohol im Systembolaget wächst ebenso. Zehn Prozent Steigerung gegenüber dem Vorjahr findet das Gesundheitsamt aber eher weniger gut.
  • Auch vom Arbeitsmarkt hört man nur Erfolgsmeldungen. 4% mehr Angestelle im Vergleich zum Vorjahr und 23% mehr offene Stellen.
  • An Busfahrern mangelt es schon und man will deshalb die Altersgrenze von 21 Jahren aufweichen. Wie wäre es mit Import aus Deutschland? Bei Ärzten scheint das ja gut zu funktionieren.
  • Schweden hat einen Terrorverdächtigen an Deutschland ausgeliefert.
  • 56 Prozent ihrer Zeit im Internet oder durchschnittlich sieben Stunden pro Woche surfen Schweden zum Privatvergnügen vom Arbeitsplatz aus, ergab eine Untersuchung.
  • Die Anzeige gegen Außenminister Bildt wegen volksverhetzender Kommentare in seinem Blog liegt mittlerweile beim Staatsanwalt.
  • Gefriertrocknung als Bestattungsmethode. Warum nicht?
  • Das größte schwedische Rockfestival in Hultsfred streitet sich mit der Gemeinde um die Lärmbelästigung und droht, das Ganze abzublasen.
  • Ich dachte ja bisher, dass der Spaß am Jagen ein Defekt auf dem Y-Chromosom sei, aber der Anteil der Frauen unter den Jägern in Schweden wächst. Außerdem wird das Jagen wegen einer Regeländerung des Jagdscheins für viele teurer. Gut so.

  • In Uppsala ist diese Woche die Linné-Woche mit zahlreichen Veranstaltungen zum 300. Geburtstag des Botanikers. Am hiesigen Bahnhof hat man deswegen sogar Palmen gepflanzt. Mehr zu den Feierlichkeiten im Laufe der Woche.

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Wort der Woche: Bokrea

Das Wort bokrea setzt sich aus bok und rea zusammen. Rea kommt von realisation und bedeutet “Ausverkauf”. Wer schon einmal durch eine Einkaufsstraße in Schweden gegangen ist, sollte diesem kurzen Wort in riesigen Buchstaben schon einmal begegnet sein.

Ein bok ist ein “Buch” und dementsprechend ist die bokrea ein “Bücherschlussverkauf”. Im Gegensatz zu Deutschland gibt es in Schweden keine Buchpreisbindung mehr, der Schlussverkauf ist jedoch ein Relikt aus der Zeit mit von Verlagen vorgeschriebenen Preisen für Bücher. Bis 1970 boten also die Buchhändler ihr Sortiment zu festen Preisen an und wenn ein Verlag nach einigen Jahren beschloss, dass ein Buch eingezogen werden soll, dann gab es den Schlussverkauf, bevor die Restbestände verbrannt wurden.

Das bedeutete auch, dass man, von Antiquarien abgesehen, ein Buch nicht mehr kaufen konnte, wenn es einmal im Ausverkauf war. Heute ist das nicht mehr der Fall – trotzdem ist die Bokrea immer noch ein Ereignis. Es werden vorab Kataloge gedruckt, welche Bücher billig zu haben sein werden, und diese Kataloge werden in Zeitungen rezensiert. Es werden sogar eigene Rea-Auflagen gewisser Bücher gedruckt, dann meist auf billigerem Papier, ansonsten sind es aber vor allem hochwertig eingebundene Bücher, die man im Ausverkauf billiger bekommt.

Die Bokrea startet fast volksfestartig. Die Läden öffnen schon um Mitternacht und es bilden sich lange Schlangen mit Leseratten, die die besten Schnäppchen ergattern wollen. Nicht wenige der lesefreudigen Schweden nutzen die Gelegenheit, sich mit einem Vorrat an Lesestoff einzudecken. In der Nacht zum Dienstag startet die diesjährige Bokrea.

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Kalle Anka

Die Disney-Figuren Donald Duck und Mickey Mouse sind auch in Schweden sehr populär. In der deutschen Übersetzung wurden zwar viele der Nebenfiguren mit anderen Namen versehen, bei den Hauptfiguren Donald und Mickey blieb man jedoch beim Original. In Schweden ging man einen Schritt weiter und hat auch diese verschwedet.

Nach dem Klick gibt es die Liste mit den schwedischen Namen der wichtigsten Figuren.

Deutsche und schwedische Namen aus Entenhausen; wo möglich in Klammern jeweils die Rückübersetzung:

  • Donald Duck – Kalle Anka (Karl Ente)
  • Daisy Duck – Kajsa Anka
  • Tick, Trick und Track – Knatte, Fnatte och Tjatte
  • Onkel Dagobert – Joakim von Anka
  • Der Geldspeicher – Pengabingen
  • Gustav Gans – Alexander Lukas
  • Franz Gans – Mårten Gås
  • Daniel Düsentrieb – Oppfinnar-Jocke (Erfinder-Joachim)
  • Die Bande der Panzerknaker – Björnligan (die Bärenliga)
  • Mac Moneysac – Guld-Ivar Flinthjärta
  • Klaas Klever – Pontus von Pluring
  • Entenhausen – Ankeborg
  • Mickey Mouse – Musse Pigg (etwa: wachsame Maus)
  • Minnie – Mimmi
  • Kater Karlo – Svarte Petter (schwarzer Peter, direkt nach dem englischen Original Black Pete)
  • Goofy – (Jan) Långben (Langbein)

  • Pluto und Klarabella haben ihre Namen wie im Deutschen behalten.

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Darf der Negerkönig Negerkönig sein?

Zugegeben, das Wort geht einem nicht leicht über die Lippen. Pippi Langstrumpfs Vater wird nun einmal aber in den Büchern von Astrid Lindgren so bezeichnet. Soll man das Wort wegen seines vermeintlich rassistischen Beigeschmacks durch etwas Neutrales wie “König der Südsee” ersetzen, wie es jetzt in Norwegen getan wird?

Ich finde nicht. Schließlich muss man Autoren und ihre Bücher generell in ihre Zeit einordnen und bei Bedarf auch kritisch bewerten. Meines Wissens war Astrid Lindgren durchaus skeptisch^1^, was Ausländer in Schweden angeht. Davon abgesehen wäre es nicht nur ein undurchführbares, sondern auch unglaublich dummes Unterfangen, Bücher auf ihre politische Korrektheit hin zu korrigieren.

^1^Ich habe die Quelle dazu leider nicht mehr parat – vielleicht weiß ja einer der Leser mehr zu diesem Thema und kommentiert.

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Radio Königsberg

Wenn ich mich recht erinnere, habe ich in der Schule trotz der extensiven Behandlung des zweiten Weltkrieges im Geschichtsunterricht kaum etwas über die Rolle Skandinaviens erfahren. Ganz kurz gesagt wurde Norwegen von den Deutschen erobert und Schweden war offiziell neutral, erlaubte jedoch die Passage von Truppen und verdiente sehr gut mit Eisenerzlieferungen an Nazideutschland.

Niclas Sennerteg befasst sich in seinem neuen Buch Tyskland talar (“Deutschland spricht”) mit “Radio Königsberg”, dem Radiosender aus dem heutigen Kaliningrad, mit dem etwa 30 schwedische Kollaborateure nazifreundliche Nachrichten und Propaganda an ihre Landsleute verbreiteten. Gesendet wurde von 1940 bis kurz vor Kriegsende und bis zu 10% der Schweden sollen eingeschaltet haben.

Sennerteg betont die Rolle des Senders für die damalige nazifreundliche Einstellung vieler Schweden und die vielfältige Zusammenarbeit, die erst in den neunziger Jahren thematisiert wurde.

Quellen auf Schwedisch und Englisch.

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Die Nordische Afrikabibliothek

Noch einmal Bücher: Es ist gerade Buch- und Bibliotheksmesse in Göteborg und es wurde die Bibliothek des Jahres 2006 gekürt (S). Der Gewinner ist die Bibliothek des Nordischen Afrikainstituts hier in Uppsala.

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